Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein

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Heinrich Karl Friedrich Freiherr vom und zum Stein (Ölgemälde von Johann Christoph Rincklake, 1804) (Quelle: Commons.wikimedia.org)
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (* 25. Oktober 1757 in Nassau; † 29. Juni 1831 auf Schloss Cappenberg bei Selm) war ein preußischer Staatsmann und von 1783 bis 1804 als preußischer Verwaltungsangestellter in Westfalen tätig.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Stein war das zweitjüngste Kind von zehn Geschwistern, von denen aber nur sechs das Erwachsenenalter erreichten. Sein Vater war Karl Philipp Reichsfreiherr vom und zum Stein (*1708), trotz seiner protestantischen Konfession kurfürstlich-mainzischer Geheimer Rat; seine Mutter war Henriette Karoline Langwerth von Simmern (*1721), verwitwete Löw von und zu Steinfurth. Sie war den Zeitgenossen im damaligen kulturell-literarischen Deutschland gut bekannt; dies ist vor allem ihrer Freundschaft mit der Schriftstellerin Sophie von La Roche zuzuschreiben.

Die vom Steins entstammen einem alten Ritter- und Adelsgeschlecht, das seit dem 17. Jahrhundert reichunmittelbar war; sie gehörten bis zur Mediatisierung im 19. Jahrhundert dem Reichsfreiherrenstand an. Bereits im Jahr 1158 wurde die Familie Stein zu Nassau erstmals erwähnt. Die Burgmannen des Grafen von Nassau hatten die Burg Stein zum Lehen. Nach dieser Burg, die dem Grafen von Nassau zum Schutz diente, benannte sich seit 1234 die Familie. Im Laufe der Jahrzehnte bauten die vom Stein durch geschickte Heirats- und Erwerbspolitik ihr Territorium rechts und links des Rheines aus (insgesamt rund 2400 nassauische Morgen). Der Besitz – um die Orte Schweighausen und Frücht – war so umfangreich, dass die Familie zu einer der bedeutendsten der rheinischen Reichsritterschaft zählte. Auf Frücht (im Jahr 1663 erworben) beruhte auch die Reichsunmittelbarkeit des Geschlechts; hier hatten die vom Steins die Landeshoheit. Im Jahr 1621 verlegten die Freiherren ihren Sitz von der alten Burg, die später verfiel, in die Stadt Nassau in ihren alten Zehnthof. Dieses Gebäude wurde zu einem kleinen Schloss im Renaissancestil ausgebaut. Letzter Besitzer war Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, der selbst zwei Töchter hatte, die das Kindesalter überlebten – Henriette (*1769) und Therese (*1803). Nach seinem Tod 1831 starb das Geschlecht der Herren vom Stein aus.

Wirken

Als Minister in Preußen war er maßgeblich an den Staatsreformen nach der Niederlage Preußens gegen Frankreich beteiligt und ging mit seiner Städteordnung von 1808, die ab 1831 auch in Westfalen umgesetzt wurde, in die Geschichte ein.

Ab 1816 verlebte Stein seine letzten Lebensjahre wieder in Westfalen auf Schloss Cappenberg.

Nur 14 Monate konnte Stein seine Reformvorhaben (Neuordnung des unübersichtlichen Regierungssystems, Ressortprinzip, kommunale Selbstverwaltung, Befreiung der Bauern aus der Erbuntertänigkeit) verfolgen. Dann entzog er sich durch Flucht der Gefahr, von Napoleon festgenommen zu werden. Ihm wurden Pläne zu einem Volksaufstand unterstellt. Er ging nach Österreich, später nach Russland – dort stieg er zum Berater des Zaren auf. Am Wiener Kongress nahm er als Mitglied der russischen Delegation teil. In Preußen gelang es ihm nicht mehr, direkten politischen Einfluss auszuüben. Verwitwet und verbittert zog er sich in den letzten Lebensjahren auf seine westfälischen Domänen zurück, die er gegen seine Besitzungen in Südpreußen eintauschte. Auf Schloss Cappenberg, einem 1802 säkularisierten Prämonstratenserkloster, verbrachte er seine letzten Lebensjahre; gesundheitlich zunehmend angeschlagen. Er nahm kaum noch an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil, pflegte aber eine ausgedehnte Korrespondenz und widmete sich von nun an der Regionalpolitik, in der er seine Reformideen teilweise wieder zurücknahm.

Stein wurde in der Familiengruft in Frücht (bei Bad Ems, heute Rheinland-Pfalz) bestattet. Seine Grabinschrift hatte er selbst vorformuliert.

"Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, geboren am 26. Oktober 1757, gestorben am 29. Juni 1831, ruhet hier, der letzte seines über sieben Jahrhunderte an der Lahn blühenden Rittergeschlechts, demütig vor Gott, hochherzig gegen Menschen, des Unrechts Feind, hoch begabt in Pflicht und Treue, unerschütterlich in Acht und Bann, des gebeugten Vaterlandes ungebeugter Sohn, in Kampf und Sieg Deutschlands Mitbefreier. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein." (zitiert nach Fenske 2012:108)

Freiherr vom Stein und Münster

Am 1. Dezember 1803 wurde in Münster durch Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein die Königlich Preußische Kriegs- und Domänenkammer eingerichtet, die ab 1808 unter dem Namen der Königlichen Regierung zu Münster (Bezirksregierung) fortbestand.

In Münster ist der Freiherr-vom-Stein-Platz, an dem sich das Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) befindet, nach ihm benannt. Außerdem das städtische Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (heute in Gievenbeck, Dieckmannstraße). Die Namensgebung erfolgte 1923 durch die Stadt auf Antrag des Schulleiters Dr. Scheller mit folgender Begründung:

Dieser Name wurde gewählt im Hinblick auf die großen Verdienste, die Freiherr vom Stein als Oberpräsident unserer Provinz sich erworben hat. Dieser Name soll Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern ein leuchtendes Vorbild sein, nachzueifern dem stolzen, ideal gerichteten, vornehmen Charakter, dem unbeugsamen Willen zum Guten, der tiefen, echten deutschen Frömmigkeit und dem Glauben an sein Volk“. [Anm.1]

Einzelnachweise

Literatur

  • Hans Fenske: Freiherr vom Stein, Reformer und Moralist, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012

Weblinks