Pferdeomnibus

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Der Fuhrunternehmer Heinrich Hagenschneider betrieb von 1888 bis 1900 in Münster einen Linienverkehr mit Pferdewagen.

Inhaltsverzeichnis

Idee, Planung und Genehmigungen

Am 3. März 1888 beantragte Hagenschneider beim Magistrat der Stadt Münster die "Conzession zur Errichtung einer Omnibusfahrt zu herabgesetztem Fahrpreis". Er argumentierte mit der Tatsache, dass viele Orte in der Stadt nur schwer bzw. unter "erheblichen Kosten" – für eine Droschke – erreichbar seien. Auch bat er, dass "während zehn Jahren ein gleiches Unternehmen eines Anderen nicht erlaubt wird".

Nur wenige Tage später teilte der Magistrat die Auflagen mit, unter Anderem 5000 Mark Kaution. Heinrich Hagenschneider verhandelte, schließlich war der Magistrat bereit, auf die Kaution zu verzichten, wenn der Antragsteller innerhalb eines halben Jahres nach Erteilung der Konzession die im Antrag bezeichneten Strecken versorgen kann.
Es handelt sich um die Strecken

Dem Wunsch nach Konkurrenzfreiheit wurde nicht entsprochen.

Am 26. März 1888 erhielt Heinrich Hagenschneider die Genehmigung mit der Auflage, dass sich die Fahrten auf dem Prinzipalmarkt wegen der Umsteigemöglichkeit kreuzen sollten.

Der Betrieb

Am 5. August erschien eine Annonce im Münsterischen Anzeiger: "Mit Genehmigung des wohllöblichen Magistrats eröffne ich am 8. d.Mts in hiesiger Stadt ein Omnibus-Strassen-Fuhrwerk. […]" Hagenschneider betonte noch, dass man "vom Prinzipalmarkt aus fast immer Anschluß" habe, "und zwar von Morgens 7 bis Abends 8 Uhr". "Der Tarif ist festgesetzt, für die Strecken […] zum Prinzipalmarkt 10 Pf. jede den Prinzipalmarkt kreuzende Fahrt 20 Pf. Fahrplan im Preise von 10 Pf. sind bei mir zu haben. […]" Sonderfahrten zum Bürgerschützenfest sollen 20 Pfennig kosten.

Am 8. August 1888 begann der Linienverkehr mit drei Pferde-Omnibussen — und damit der erste innenstädtische Linienverkehr in Münster. Ein paar Tage zuvor hatte Hagenschneider seine Wagen schon beim Bürgerschützenfest präsentiert.

Bald wuchs die Anzahl der Wagen, auch das Streckennetz erweiterte sich. Die einspännigen Busse waren für 8 bis 10 Personen ausgelegt(→ Weblink Echo Münster).

Der Fahrplan 1898:[Anm. 1]

     2. Omnibus-Fahrten.
Prinzipalmarkt — Ludgerith. — Schützenhof u.
Prinzipalmarkt — Mauritzthor — Gertrudenhof:
  750, von 830 bis 1210 alle 20 Min., 1250, 130,
  200, von 240 bis 820 alle 20 Min.

Prinzipalmarkt — Rosenstraße — Neuthor:
  820, 835, 925, 1010, 1055, 1115, 1145, 1220,
  100, 250, 320, 400, 415, 440, 525, 600, 615, 640,
  700, 720, 812, 840.

Prinzipalmarkt — Servatiithor — Bahnhof:
  755, 805, 900, 920, 1030, 1050, 1155, 1230, 225,
  250, 340, 455, 530, 745, 810.

Schützenhof — Ludgerith. — Prinzipalmarkt u.
Gertrudenhof — Mauritz. — Prinzipalmarkt:
  810, von 850 bis 1230 alle 20 Min., 110, 150,
  220, von 300 bis 840 alle 20 Min.

Neuthor — Rosenstr. — Prinzipalmarkt: 740,
  840, 900, 950, 1010, 1030, 1120, 1135, 1210, 1252,
  210, 235, 320, 340, 420, 435, 510, 550, 620, 640, 700,
  725, 750.

Bahnhof — Serv. — Prinzipalmarkt: 810,
  820, 915, 935, 1045, 1105, 1210, 1252, 240, 310,
  405, 515, 550, 805, 832.

  Jede Fahrt für die Strecken vom oder zum 
Prinzipalmarkt 10 Pf., jede den Prinzipalmarkt
kreuzende Fahrt 20 Pf.; Kinder auf dem Arm und
kleines Handgepäck frei. Es kann überall unterwegs
ein- und ausgestiegen werden. 100 Abonnements-
karten zu 8,50 Mk. (für Schulkinder zu 7,50 Mk.)
sind bei dem Unternehmer Hagenschneider, Bisping-
hof 18, zu haben.

Der Erfolg war nicht von Dauer: Die Pferdebuslinien waren wegen ihrer Unpünklichkeit nicht besonders beliebt, und dem stetig größer werdendem Verkehrsaufkommen in Münster nicht gewachsen. Im Jahr 1900[Anm. 2] machte der Pferdeomnibus Pleite.

1901 fuhr dann die erste elektrische Straßenbahn durch Münster.

Quellen

Einzelnachweise