Zwinger

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Der Zwinger an der heutigen Promenade (Photo: Rüdiger Wölk, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons)

Der Zwinger in Münster ist ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung aus der frühen Neuzeit. In der Zeit des Nationalsozialismus war er sowohl Gefängnis als auch Hinrichtungsstätte der Gestapo und wurde durch alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt. Seit der Umwandlung in ein Mahnmal gehört der Zwinger zum Stadtmuseum Münster und beherbergt die Skulptur "Das gegenläufige Konzert".

Inhaltsverzeichnis

Architektur

Blick auf die Außenmauer vom Inneren des Zwingers (Photo: Jürgen Melzer, Lizenz: CC BY-SA 2.5, vom Wikimedia Commons)

Beim Zwinger in Münster handelt es sich um ein Rondell mit einem Durchmesser von 24,3 m. Damit ist er größer als der bekanntere Zwinger in Goslar. Die Mauerstärke der Außenmauer beträgt etwa 1,95 m. Ob es sich hierbei um die ursprüngliche Stärke handelt, ist unklar. So ging Max Geisberg 1932 davon aus, dass die Außenmauer bereits während der Bauzeit in den 1530er Jahren eine Stärke von bis zu 4,64 m besaß und erst 1732 teilweise abgetragen wurde, da seiner Einschätzung nach die Mauern des inneren Rings erst zu dieser Zeit neu gemauert wurden. Damit würde „Dat grote Bollwerk“, wie der Zwinger ebenfalls genannt wurde, zu den stärksten Stadtbefestigungen der frühen Neuzeit zählen.[1]

Neueren Forschungen zufolge könnte die Baugeschichte jedoch auch anders abgelaufen sein: So ist bekannt, dass Fürstbischof Franz von Waldeck zwischen Juli 1535 und März 1536 das Bauwerk „mächtiger“ machte. Somit bestand die ursprüngliche Anlage aus einem Rondell mit einem Durchmesser von ungefähr 19 m und einer Wandstärke von 1,9 m, dem heutigen inneren Ring. Um den Zwinger zu verstärken, ließ Franz von Waldeck im Abstand von rund 2,2 m eine zweite, vorgelagerte Mauer mit einer Wandstärke von ebenfalls rund 1,9 m errichten, wodurch der charakteristische Rundgang entstand, dessen Ursprung Geisberg in der teilweise Abtragung der Außenmauern sieht. Für diese neue These spricht, dass in der Außenmauer Kalkmergelbruchsteine enthalten sind. Sie wurden beim Bau der ursprünglichen Stadtmauer verwendet und könnten bei deren Abbruch und Verlegung im Bereich des Zwingers als Baumaterial für die Mauer des Bollwerks verwendet worden sein.[2]

Über die ursprüngliche Höhe des Zwingers existieren keine verlässlichen Informationen. Vor der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg betrug sie auf der Westseite 8,75 m. Allerdings kann es sich dabei nicht um die ursprüngliche Höhe handeln, da bei der Schleifung der Befestigungsanlagen und dem Anlegen der Promenade im Jahre 1772 auch rund um den Zwinger Erde abgetragen wurde und er seitdem mindestens 2,25 m höher erscheint. Gut zu erkennen ist dies am ehemaligen Eingang, der zur Bauzeit auf der Höhe des umgebenden Geländes lag.[3]

Im Inneren bestand der Zwinger aus zwei Stockwerken, einem Keller und einem separaten Dachgeschoss. Über die ursprüngliche Aufteilung existieren keine Informationen. Dagegen gibt es die Pläne der Innenarchitektur nach der Umgestaltung zu einem Gefängnis in den 1730er Jahren. In allen drei Etagen gab es um den Innenhof in der Mitte des Zwingers jeweils sechs im Kreis angeordnete Zellen. Sie wurden verbunden durch einen äußeren Rundgang zwischen Außenmauer und den Zellen innen. Die Aufteilung wurde im Jahre 1919 erneut verändert, als der Zwinger als Wohnhaus und Atelier für Maler vermietet wurde. Entsprechend wurden Wände entfernt und neue Durchbrüche geschaffen. Die teilweise Zerstörung im Zweiten Weltkrieg trug anschließend dazu bei, dass von der ursprünglichen Architektur nur noch wenige Teile erhalten geblieben sind.

Das gegenläufige Konzert

Die seit 1987 im Rahmen der Skulptur.Projekte im Zwinger installierte Skulptur Das gegenläufige Konzert von Rebecca Horn brachte den Zwinger wieder in den Fokus der Öffentlichkeit und forcierte die Restaurierung des zur Ruine verkommenen Gebäudes. Horn installierte an den Wänden des Zwingers insgesamt 42 Metallhämmer, die regelmäßig ein tickendes Geräusch auslösen. Zusammen mit aufgestellten ewigen Lichtern soll so eine beklemmende Atmosphäre geschaffen werden.

Im Inneren des Zwingers tropft regelmäßig Wasser aus einem Trichter und fällt zwölf Meter tief in eine Zisterne. Kleine Details ergänzen die Skulptur, so zum Beispiel ein Ei, das von zwei spitzen Metallnadeln, die aus der Decke beziehungsweise dem Boden wachsen, gehalten wird.

Besichtigung und Öffnungszeiten

Der Zwinger kann in den Monaten von April bis Oktober jeweils am ersten Sonntag im Monat bei einer Führung besichtigt werden. Sie beginnt im Stadtmuseum Münster mit einer Tondiaschau über die Geschichte des Gebäudes. Zusätzlich kann der Zwinger an jedem dritten Donnerstag im Monat um 20 Uhr besichtigt werden. Für Gruppen und Schulklassen (für letztgenannte ist die Führung kostenlos) können zusätzliche Termine vereinbart werden.

Zusätzlich besteht von Juni bis September jeweils sonntags zwischen 14 und 18 Uhr die Möglichkeit zur Besichtigung.

Siehe auch

Literatur

  • Marcus Weidner: Nur Gräber als Spuren. Das Leben und Sterben von Kriegsgefangenen und "Fremdarbeitern" in Münster während der Kriegszeit 1939–1945. Münster 1984.
  • Rebecca Horn: Der Zwinger in Münster. W. König Verlag, ISBN 3883756474
  • Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. Aschendorff, Münster 1976, ISBN 3-402-05090-0
  • Barbara Rommé (Hg.): Der Zwinger : Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. Aschendorff, Münster 2007, ISBN 978-3-402-12732-2

Weblinks

Einzelnachweise

  • [1] Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. S. 163f
  • [2] Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal, S. 20ff
  • [3] Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. S. 159


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